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Briefe von der Front

 

Briefe und Urkunden sind nicht nur für die Erbenermittlung von Bedeutung, sie sind auch Dokumente deutscher Geschichte. Wie sehr die Menschen unter den Bedingungen während des zweiten Weltkrieges gelitten haben, kann man in vielen Büchern nachlesen, aber die beinahe siebzig Jahre nach Kriegsende in einer Schublade aufbewahrten Briefe des Verlobten sind Realität, und in Verbindung mit den Durchschriften zweier Schreiben an das Deutsche Rote Kreuz und den Kameradschaftsdienst des Großdeutschen Rundfunks geben sie Einblick in ein echtes Schicksal.

Heinz war vierundzwanzig Jahre alt, als er am 31.07.1943 im Wartesaal des Bahnhofs Leipzig die erste Postkarte an seine Verlobte Lisa geschrieben hat. Die Briefe, die Heinz während der nächsten neun Monate schrieb, füllen einen Leitzordner. In seiner gleichmäßigen Handschrift berichtet er zunächst aus Wien, später aus Jever von seinem beschwerlichen Alltag als Soldat. Zugleich spricht aus seinen Worten die tiefe Liebe zu seiner Verlobten, die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen und die Angst vor dem Tod. Alle zwei, drei Tage hat Heinz an seine Verlobte geschrieben, zuletzt am 19.04.1944. Seit dem 23.04.1944 wird Heinz, der Flieger war, vermisst. Lisas Bemühungen, das Schicksal ihres Verlobten aufzuklären, blieben erfolglos. Das erste Mal hat sich Lisa am 11.05.1944 beim Deutschen Roten Kreuz erkundigt. Dann hat sie sich über eineinhalb Jahre in Geduld gefasst, ehe sie ein zweites Mal nachgefragt hat. Ihre Pläne, ihr Leben gemeinsam zu verbringen, konnten Lisa und Heinz nicht verwirklichen. Lisa ist als alte Frau gestorben. Sie hat nie geheiratet.